Wie entwickelt sich der Generationenvertrag?

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Obwohl die Ursachen für diese Probleme vielschichtig sind, gibt es eine Schlüsselaussage, und die heißt: Unsere Gesellschaft hat sich selbst vom Generationsvertrag verabschiedet. Denn den zunehmenden Wohlstand haben wir Deutschen nicht in Kinder, sondern in materielle Güter investiert.

Erst wenn der letzte Kindergarten geschlossen,
die letzte Schule in ein Seniorenheim umgewandelt wurde
und alle Fußgängerampeln fünf Minuten "grün" zeigen,
wird man feststellen, dass ein Land ohne Kinder ausstirbt!

Daraus folgt, dass eine wachsende Zahl von Rentnern von immer weniger Erwerbstätigen versorgt werden müssen. Verschärft wird diese Situation durch den medizinischen Fortschritt. Durch die Möglichkeit, die demografische Entwicklung über Jahrzehnte hinweg sicher zu berechnen, lässt sich schon jetzt absehen, wohin die Richtung geht: In 2001 werden 43 Rentner von 100 Beitragszahlern versorgt (1:2). Im Jahr 2030 werden es 61 sein.

Der Politik muss man vorwerfen, dass sie darauf nicht rechtzeitig und energisch genug reagiert haben. Immer mehr Menschen sind aus dem Generationenvertrag ausgestiegen, ohne dass es für sie finanzielle Folgen gehabt hätte. Generationengerechtigkeit kann nur einfordern, wer nicht auf Kinder verzichtet hat.

Kinder kriegen ist und war natürlich eine reine Privatangelegenheit. Kinderlose Erwerbstätige wurden nicht zu einem materiellen Ausgleich für die Rentenversicherung herangezogen. Das würde uns heute eines Großteils der Rentenprobleme entledigen.

Die Ausweitung beitragsfreier Zeiten und die Aufnahme von Selbstständigen zu Dumpingprämien, der Ausbau versicherungsfremder Leistungen und Anreize zur Frühverrentung waren alles politische Geschenke, die von den Betroffenen gerne angenommen wurden. Und dann noch die Bewältigung der deutschen Einheit mit Hilfe der Rentenkasse lässt den Bund über 40 Milliarden Euro zum Ausgleich der versicherungsfremden Leistungen beisteuern.

Die bisherigen Ergebnisse sind nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein: Immer jüngere Rentner, die immer älter werden, stehen immer weniger Beitragszahler gegenüber.

Die Generation ab Geburtsjahr 1960 kann sich schon lange davon verabschieden, das jetzige durchschnittliche Renteneingangsalter von 59 Jahren "zu halten" und sich statt dessen darauf einstellen, als rüstige Siebzigjährige langsam in Rente gehen zu dürfen.

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