Merkblatt für Reiselagerbegleiter des Schmuckwaren-, Uhren-, und Bijouterie-Gewerbes

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1. Allgemeine Bestimmungen

Der Reiselagerbegleiter hat bei allen seinen Handlungen die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns dieses Geschäftszweigs wahrzunehmen und zu berücksichtigen, daß ein besonderes Bedürfnis nach Sicherheit für die versicherten Sachen besteht. Ist er an der Wahrung seiner Sorgfaltspflicht durch plötzliche Erkrankung oder Unfall gehindert, so hat er nach Möglichkeit dem Versicherungsnehmer und dem Versicherer unverzüglich Mitteilung zu machen.

2. Besondere Bestimmungen

  1. Über den Bestand des Reiselagers ist ein durch Eintragung der Zu- und Abgänge ständig auf dem laufenden zu haltendes Wertverzeichnis zu führen, aus dem der Gesamtwert nachgewiesen werden kann. Das Wertverzeichnis oder eine Abschrift desselben ist auf die Reise mitzunehmen und getrennt vom Reiselager aufzubewahren.
  2. Aufbewahrung des Reiselagers
    Die Reiselagerbehältnisse dürfen nur ordnungsgemäß verschlossen aufbewahrt werden.
    1. In den Wohn- oder Geschäftsräumen des Reiselagerbegleiters:
      Für die Aufbewahrung gelten die Verschlußvorschriften des Versicherungsvertrages, über die der Reiselagerbegleiter separat durch den Versicherungsnehmer unterrichtet wird. Wohnungswechsel, Verschlechterung oder Beseitigung vorhandener Sicherungen sind dem Versicherer unverzüglich schriftlich anzuzeigen.
    2. In Hotels oder anderen Beherbergungsstätten:
      Die Auswahl der Hotels oder anderer Beherbergungsstätten ist nach Lage, Standard, Gebäudebeschaffenheit, Publikum und Aufbewahrungsmöglichkeiten für versicherte Sachen sorgfältig vorzunehmen.

      Während des Aufenthaltes ist das Reiselager gegen Einlieferungsschein in Hotelaufbewahrung zu geben. Nur wem eine derartige Hotelaufbewahrung nicht möglich ist, kann das Reiselager im verschlossenen Schrank des Hotelzimmers untergebracht werden. Im verschlossenen Schrank darf das Reiselager unbeaufsichtigt höchstens 2 Stunden zurückgelassen werden.

      Ist innerhalb des Hotelzimmers ein Verschluß nicht möglich, muß das Reiselager ständig beaufsichtigt werden. Als Beaufsichtigung gilt nur die ständige Anwesenheit des Versicherungsnehmers oder Reiselagerbegleiters im Hotelzimmer. Beim Verlassen des Hotelzimmers sind sämtliche Türen und Fenster zu verschließen. Der Zimmerschlüssel ist sorgfältig aufzubewahren. Wenn möglich, sollte der Schlüssel auch beim Verlassen des Hotels nicht beim Portier abgegeben werden. Ist eine Mitnahme des Zimmerschlüssels nicht möglich, dann muß dieser dem zuständigen Personal übergeben werden. Ein einfaches Niederlegen an der Rezeption ist nicht zulässig.

    3. Bei Kunden:
      Bei Kunden darf das Reiselager auch vorübergehend nicht hinterlassen werden.
    4. Bei Kreditinstituten und amtlichen Aufbewahrungsstellen:
      Aufbewahrung nur gegen Mietbestätigung oder Übergabe gegen Empfangsschein.
    5. Auf Messen und Ausstellungen (soweit mitversichert):
      Nach Beendigung der täglichen Ausstellungszeit ist das Reiselager, in seinen Behältnissen verschlossen, in eigenen, abgeschlossenen Messe- und Ausstellungsräumen (hierunter sind keine Stände zu verstehen) aufzubewahren.

      Stehen eigene Messe- bzw. Ausstellungsräume nicht zur Verfügung, so ist das Reiselager unter anderem sicheren Verschluß zu halten (z. B. im Hotel, im besonderen Aufbewahrungsraum der Messe bzw. Ausstellung).

      Bei Unterbringung des Reiselagers in verschlossenen Behältnissen im Ausstellungsstand oder in allgemeinen Ausstellungsräumen nach Schluß der täglichen Ausstellungszeit besteht Versicherungsschutz nur dann, wenn hierüber eine besondere Vereinbarung mit dem Versicherer schriftlich getroffen wurde.

  3. Mitführen des Reiselagers
    Das Reiselager ist auf allen Geschäftsreisen oder -gängen (insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln), einschließlich aller notwendigen Aufenthalte sicher verwahrt mitzuführen. Sicher verwahrt sind die Sachen, wenn sie ununterbrochen von dem Versicherungsnehmer oder Reiselagerbegleiter persönlich und unmittelbar beaufsichtigt werden.
    1. Im Kraftfahrzeug:
      Für das Nichtführen von Reiselagern im eigenen bzw. geschäftlich überlassenen Kraftfahrzeug gelten die Kraftfahrzeug- Sonderbestimmungen, über die der Reiselagerbegleiter durch den Versicherungsnehmer gesondert unterrichtet wird.
    2. Im Flugzeug:
      Wird das Reiselager im Flugzeug mitgeführt, so muß es in verschlossenen Behältnissen in der Flugzeugkabine als normales Handgepäck oder auf einem gesondert gebuchten Nachbarsitzplatz befördert und ununterbrochen von dem Versicherungsnehmer oder Reiselagerbegleiter persönlich und unmittelbar beaufsichtigt werden. Soweit dies nicht möglich ist, ist das Reiselager als Luftfrachtsendung (im Luftfrachtbrief muß die Inhaltsangabe der Sendung so erfolgen, daß daraus erkennbar ist, daß es sich um wertvolle Fracht (valuable cargo) handelt) mit folgenden Maxima aufzugeben:
      Maximum je Versandstück im innerdeutschen Verkehr im Auslandsverkehr
      (soweit zugelassen)
      mit einem deklarierten Beförderungswert in voller Höhe € 100.000,- € 50.000,-
      mit einem deklarierten Beförderungswert von 50,- € je angefangenes kg, mind. aber 600,- € € 50.000,- € 25.000,-
      ohne deklarierten Beförderungswert € 10.000,- € 5.000,-
    3. Durch Träger:
      Wird das Reiselager amtlichen Gepäckträgern, öffentlichen Dienstleuten, Hoteldienern oder dem Reiselagerbegleiter bekannten Personen zur Beförderung übergeben, dann muß der Reiselagerbegleiter die ordentliche Ausführung des Transportes persönlich überwachen.
    4. Bei Zollrevisionen:
      Der Reiselagerbegleiter muß die Prüfung des Reiselagers persönlich und ununterbrochen überwachen.
  4. Versendungen
    Versendungen des Reiselagers oder Teile davon sind nur bei besonderer Vereinbarung von Versandarten und Maxima versichert.

3. Verhalten im Versicherungsfall (Obliegenheiten)

  1. Der Versicherungsnehmer und der Reiselagerbegleiter haben bei Eintritt eines Versicherungsfalls
    1. den Schaden dem Versicherer unverzüglich anzuzeigen; bei Schäden über 5.000,- € hat die Anzeige fernmündlich, fernschriftlich oder telegraphisch zu erfolgen;
    2. den Schaden nach Möglichkeit abwenden oder zu mindern und dabei die Weisungen des Versicherers zu befolgen; er hat, soweit die Umstände es gestatten, solche Weisungen einzuholen;
    3. dem Versicherer jede zumutbare Untersuchung über Ursache und Höhe des Schaden und über den Umfang seiner Entschädigungspflicht zu gestatten, jede hierzu dienliche Auskunft - auf Verlangen schriftlich - zu erteilen und Belege beizubringen;
    4. unverzüglich dem Versicherer und im Falle von 3.3 der zuständigen Polizeidienststelle ein unterschriebenes Verzeichnis aller abhandengekommenen, zerstörten oder beschädigten Sachen und auf Verlangen das Reiselagerverzeichnis vorzulegen. Der Versicherungswert der Sachen unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalls ist anzugeben.
  2. Bei Schäden im Gewahrsam eines Beförderungsuntemehmens, eines Hotels oder einer anderen Beherbergungsstätte oder eines sonstigen Dritten sind die näheren Umstände des Schaden unter Hinzuziehung der verantwortlichen Stelle oder Person sofort festzustellen, die Aufnahme des Tatbestandes zu verlangen und Regreßansprüche zu wahren.
  3. Der zuständigen Polizeidienststelle sind außerdem unverzüglich anzuzeigen:
    Schäden durch Diebstahl, Raub, Transportmittelunfall, Brand oder Explosion, Einbruchdiebstahl sowie Unterschlagung, Betrug oder Untreue, entstanden im Gewahrsam von Beförderungsunternehmen, Zollbehörden oder sonstigen amtlichen Stellen, sowie Kreditinstituten und Hotels;
  4. Rechtsfolgen einer Obliegenheitsverletzung
    1. Verletzt der Versicherungsnehmer oder Reiselagerbegleiter gesetzlich vorgeschriebene oder vertraglich vereinbarte Obliegenheiten (insbesondere die in diesem Merkblatt sowie in den Kraftfahrzeug-Sonderbestimmungen genannten), so ist der Versicherer nach Maßgabe der §§ 6, 62 VVG leistungsfrei.
    2. Leistungsfreiheit tritt nicht ein, wenn der Reiselagerbegleiter infolge plötzlicher Erkrankung oder eines Unfalls an der Beachtung der erforderlichen Sorgfalt gehindert war.
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