Versicherungs-Bedingungen für Mitglieder der Deutschen Elektrizitätswerke (VDEW)

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§ 4 Umfang der Ersatzpflicht, Versicherungssumme, Unterversicherung

I. Teilschaden

  1. Ein Teilschaden im Sinne dieser Bedingungen ist gegeben, wenn die versicherte Sache beschädigt oder teilweise zerstört ist. Eine versicherte Sache gilt als teilweise zerstört, wenn die Kosten, die zur Wiederherstellung in den früheren betriebsfähigen Zustand notwendig sind (Wiederherstellungskosten), den Zeitwert der unbeschädigten ganzen Sache nicht übersteigen. Der Zeitwert ist der Wert, den die Sache einschließlich der mitversicherten Fundamente sowie der Fracht- und Montagekosten unmittelbar vor dem Schaden hatte.
  2. Im Fall eines Teilschadens ersetzt der Versicherer die Wiederherstellungskosten, die die Kosten für Ersatzteile, die Reparaturkosten, die Demontage- und Montagekosten, die Frachtkosten sowie die sonstigen mit der Schadenbehebung in Zusammenhang stehenden Kosten umfassen. Der Wert des Altmaterials wird angerechnet.
  3. Nicht zu den Wiederherstellungskosten gehören Zuschläge Überstunden, für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeiten sowie für Eil-, Expreß- und Luftfrachten. Diese zusätzlichen Kosten werden dann ersetzt, wenn dies besonders vereinbart ist.
  4. Mehrkosten, die dadurch entstehen, daß Änderungen oder Verbesserungen vorgenommen werden, die über die Wiederherstellung hinausgehen, sowie die Kosten für Überholungen gehen zu Lasten des Versicherungsnehmers.
  5. Die Erneuerung von beschädigten Teilen kann nicht verlangt werden, wenn eine Reparatur möglich ist und eine Gefährdung der Betriebssicherheit hierdurch nicht eintritt. Hierüber hat der Versicherer auf Wunsch eine Bestätigung beizubringen. Zweifelsfälle werden im Sachverständigenverfahren (§ 8) entschieden.
  6. Der Versicherungsnehmer hat die Wahl, die Wiederherstellung in eigener Werkstatt vorzunehmen oder an eine ihm genehme Firma zu vergeben, sofern nicht der Versicherer begründete Bedenken geltend machen kann. Zweifelsfälle werden im Sachverständigenverfahren (§ 8) entschieden.
  7. Kosten für eine vorläufige Wiederherstellung werden vom Versicherer insoweit ersetzt, als dadurch die bedingungsgemäß zu vergütenden Gesamtkosten nicht erhöht werden.
  8. Eine Pflicht zur Wiederherstellung besteht nicht. Erfolgt keine Wiederherstellung, so ist der Betrag zu zahlen, der nach einer etwa erfolgten Wiederherstellung zu vergüten gewesen wäre.

II. "Abzug neu für alt" im Falle eines Teilschadens

  1. Tritt durch die Wiederherstellung eine wesentliche Erhöhung des Zeitwertes ein, den die versicherte Sache vor dem Schaden hatte, so wird dieser Mehrwert von den Wiederherstellungskosten abgezogen ("Abzug neu für alt").
  2. Bei Schäden an elektrischen Maschinen und Transformatoren werden von den Kosten der reinen Neuwicklung und Neublechung vom nachstehenden Betriebsjahr seit der letzten Neuwicklung bzw. Neublechung an nur folgende Prozentsätze als "Abzug neu für alt" abgezogen:
    bis 500 kVA bis 30000 V Betriebsspannung ab 4. Betriebsjahr 3% p.a. - max.30%
    bis 500 kVA über 30000 V Betriebsspannung im 4.-6. Betriebsjahr 4% p.a., ab 7. Betriebsjahr 3% p.a. - max.30%
    bis 1000 kVA ab 3. Betriebsjahr 3% p.a. - max. 30%
    bis 10000 kVA ab 3. Betriebsjahr 4% p.a. - max. 40%
    bis 50000 kVA ab 3. Betriebsjahr 5% p.a. - max. 50%
    über 50000 kVA ab 3. Betriebsjahr 6% p.a. - max. 50%
  3. Der "Abzug neu für alt" kann durch besondere Vereinbarung gegen Prämienzuschlag ausgeschlossen werden. Im Fall des § 1, II, 1, Satz 2, ist dies jedoch nicht möglich.
    Für Wicklungen und Blechpakete elektrischer Maschinen und Transformatoren kann eine solche besondere Vereinbarung jedoch nur in folgendem Umfang getroffen werden:

    1. in den ersten 9 Jahren bei Maschinen über 1000 kVA bis 10000 kVA, ferner bei langsam laufenden Generatoren (n < 1000 U/min), Motoren und Transformatoren über 1000 kVA bis 50000 kVA;
    2. in den ersten 8 Jahren bei Maschinen über 10000 kVA bis 50000 kVA, ferner bei langsam laufenden Generatoren (n < 1000 U/min.), Motoren und Transformatoren über 50000 kVA;
    3. in den ersten 5 Jahren bei Maschinen über 50000 kVA.

    Nach Überschreiten der angegebenen Zeitspanne beträgt für jedes weitere Jahr der Satz des "Abzugs neu für alt" für das 1. Jahr 2% (a), bzw. 3% (b), bzw. 4% (c) und steigt für jedes folgende Jahr um l/10.

    Im einzelnen wird dieser Satz wie folgt errechnet:

    Lebens-
    jahr
    6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15.
    a) 2,0 4,2 6,6 9,2 12,0 15,0
    b) 3,0 6,3 9,9 13,8 18,0 22,5 27,3
    c) 4,0 8,4 13,2 18,4 24,0 30,0 36,4 43,2 50,0 50,0

    Lebens-
    jahr
    16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25.
    a) 18,2 21,6 25,2 29,0 33,0 37,2 40,0 40,0 40,0 40,0
    b) 32,4 37,8 43,5 45,0 45,0 45,0 45,0 45,0 45,0 45,0
    c) 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0 50,0

    Unter "Jahren" im vorstehenden Zusammenhang wird das Lebensalter verstanden, errechnet von der Inbetriebnahme der Wicklung an.

III. Totalschaden

  1. Ein Totalschaden im Sinne dieser Bedingungen ist gegeben wenn eine versicherte Sache völlig zerstört ist. Eine versicherte Sache gilt als völlig zerstört, wenn die Wiederherstellungskosten den Zeitwert (vergl. § 4, I, 1, Satz 3) der unbeschädigten ganzen Sache übersteigen würden.
  2. Im Fall eines Totalschadens ersetzt der Versicherer den Zeitwert der unbeschädigten ganzen Sache. Der Wert der Reste wird angerechnet.
  3. Werden versicherte Sachen, die Teile einer im Verzeichnis der versicherten Sachen aufgeführten Sammelposition sind, von einem Totalschaden betroffen und können die unbeschädigten Teile ohne wesentliche und unzumutbare Umbauten weiter verwendet werden, so werden solche Fälle behandelt, als ob die beschädigten Sachen selbstständig versichert gewesen wären.

IV . Versicherungssumme - Unterversicherung

Ist die Versicherungssumme niedriger als der am Schadentag vor-handene Neuwert der Sache einschließlich der Kosten für Fracht und Montage sowie für mitversicherte Fundamente, so wird nur derjenige Teil des Schaden ersetzt, der sich zum ganzen Schaden verhält wie die Versicherungssumme zu diesem Neuwert.

V. Verzicht auf den Einwand der Unterversicherung (Vollwertklausel)

Unter der Voraussetzung, daß der Versicherung die Neuwerte zu Grunde gelegt sind, verzichtet der Versicherer für das erste Versicherungsjahr auf den Einwand der Unterversicherung. Der Verzicht auf die Unterversicherung gilt auch für das jeweils folgende Versicherungsjahr, wenn der Versicherer nicht vor Beginn des Versicherungsjahres eine Neufestsetzung der Werte verlangt. Wenn der Versicherungsnehmer einer Anpassung der Versicherungssummen an die Neuwerte nicht zustimmt, entfällt der Verzicht auf den Einwand der Unterversicherung ab Beginn des neuen Versicherungsjahres.

VI. Selbstbehalt

  1. Der Versicherungsnehmer trägt an jedem Schaden 20%, mindestens aber den im Versicherungsschein angegebenen Mindestselbstbehalt. Werden durch ein Ereignis mehrere versicherte Sachen beschädigt, so kommt für die Berechnung des vom Versicherungsnehmer zu tragenden Anteils lediglich der höchste für die einzelnen Sachen angesetzte Mindestselbstbehalt in Abzug, sofern der 20%ige Selbstbehalt nicht wirksam wird.
  2. Werden an einer versicherten Sache gleichzeitig mehrere Schäden festgestellt, z. B. gelegentlich der Turbinenrevision, so wird für diese Schäden der Selbstbehalt nur einmal abgezogen, auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang dieser Schäden untereinander nicht besteht.

VII. Grenze der Ersatzleistung

In jedem Fall bildet die Versicherungssumme abzüglich des Selbstbehaltes die Grenze der Ersatzleistung.

VIII. Untersuchung bei Schadenverdacht

  1. Untersucht der Versicherungsnehmer bei aufgetretenem Schadenverdacht mit Einwilligung des Versicherers eine versicherte Sache und stellt sich kein Schaden heraus, so werden die Kosten für das Auf- und Zudecken dieser Sache zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Versicherer je zur Hälfte geteilt.
  2. Für versicherte Sachen, für die Revisionsfristen vereinbart sind, gilt folgende Regelung:
    Die Kosten für das Auf- und Zudecken trägt der Versicherer im ersten Drittel der Revisionsperiode ganz, im zweiten Drittel der Revisionsperiode zur Hälfte. Im letzten Drittel der Revisionsperiode gehen diese Kosten ganz zu Lasten des Versicherungsnehmers.
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