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Private Krankenversicherung - Schwangerschaft ist keine Krankheit - Beitragszuschlag rechtswidrig


Bislang wurde im Antrag auf eine Private Krankenversicherung nach Vorerkrankungen und dem Bestehen einer Schwangerschaft gefragt. Wurden falsche Angaben gemacht, wurde der Versicherungsschutz meist versagt und damit keine Leistungen gewährt. Wer jedoch eine Schwangerschaft angab, musste mit einem so genannten "Risikozuschlag" von bis zu 100 Prozent rechnen.


Diese Verfahrensweise ist Unrecht, wie das Landgericht Aachen festgestellt hat.

 

In der privaten Krankenversicherung dienen Risikozuschläge zu einer gerechteren Versicherungsprämie. Wer ein höheres Versicherungsrisiko in die Versichertengemeinschaft einbringt, soll auch selbst einen größeren finanziellen Beitrag dazu leisten, so die Gedankenwelt der Versicherer. Bei einer Schwangerschaft liegt das anders, urteilte jetzt das Landgericht Aachen nach einer Klage einer Privatversicherten. Das Gericht entschied, dass eine Schwangerschaft nicht wie eine Krankheit behandelt werden dürfe, selbst wenn die Schwangerschaft zum Vertragsabschluss bereits bestand, aber noch nicht nachgewiesen war. Es begründete sein Urteil damit, dass die Schwangerschaft selbst keine Krankheit sei und insofern alle Kosten dafür von der privaten Krankenversicherung im Rahmen des Vertrags zu tragen seien. Bezahlt werden müssen demnach alle Vorsorgetermine beim Gynäkologen, die Geburtsvorbereitungskurse und die Nachsorgetermine und selbstverständlich alle Kosten, die anlässlich der Geburt im Krankenhaus und für die Hebamme entstehen.

Ein Versicherungsexperte beim "Verbraucherzentrale Bundesverband Berlin" stellt sich auf die Seite der Klägerin. Wie Lars Gatschke im Interview des Deutschlandradios mitteilte, steht die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft nicht im Einklang mit dem "Allgemeinen Gleichbbehandlungsgesetz". Nach Auffassung des Bundesverbandes bezieht sich die Frage nach einer Schwangerschaft nicht auf die reinen Kosten der Schwangerschaft, sondarn auch auf die Frage des Vertragsabschlusses. Dieser hat nämlich etwa 20 Versicherungsanträge geprüft und festgestellt, dass viele Gesellschaften die Vertragsannahme bei bestehender Schwangerschaft ablehnen, sofern eine Frist von 3 Monaten verstrichen ist. Lediglich eine Gesellschaft habe die Annahme bei bestehender Schwangerschaft ohne Zuschlag erklärt.

Das Urteil des Landgerichts Aachen hat gezeigt, dass alle privatversicherten Schangeren nun eine berechtigte Chance auf Annahme bei einer privaten Krankenversicherung haben, wie es in der Vergangenheit nicht möglich gewesen ist und trägt zu einer Gleichstellung von privat und gesetzlich versicherten Schwangeren bei.

 

Wer das gesamte Interview des Deutschlandfunk vom 11.04.2011 lesen möchte, klicke bitte hier.

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verwendetes Original-Photo:

Jose Manuel Gelpi - Fotolia.com

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